Inhaltsbereich: Orientierungslauf - ein tolles Projekt für Kassels Schulen und Vereine

Hänsel und Gretel hätten sich so nie verirrt

Die spätromantische Oper Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel” dramatisiert die Orientierungslosigkeit der beiden Geschwister nach Verstoß aus dem Elternhaus, frei nach dem Hausmärchen der Brüder Grimm. Im finsteren Wald irren die beiden hoffnungslos und hungrig herum. Erst das äußerst fragwürdige Hexenhaus erscheint als Oase in der Wüste. Alexander Speck und Anna Wendt, wäre dieses Schicksal sicherlich erspart geblieben. Beide sind Orientierungsläufer im Schulsport und im Verein und verirren sich garantiert nicht, wie Hänsel und Gretel im Wald.

Seit Beginn des neuen Schuljahres betreut Kirsten Müller knapp 20 junge Orientierungsläuferinnen und –läufer aus mehreren Kasseler Schulen. Schon als Studentin (Mathematik und Sport fürs Lehramt) an der Uni Kassel hatte sich die 24-Jährige, die als Beauftragte der Hessischen Turnjugend für „Kinder-, Jugendturnen und Gruppenarbeit” verantwortlich zeichnet, im Projekt Schule und Verein, Fachbereich Orientierungslauf stark engagiert und die vom Schulamt Kassel ins Leben gerufene Talentfördergruppe OL betreut. Daher kennt sie schon einige der Schülerinnen und Schüler recht gut. Sportliche Fachkompetenz besitzt sie als langjährige OL-Wettkämpferin, die schon bei den Junioreneuropa- und -Weltmeisterschaften teilgenommen hatte, und beim 13. Hessischen Landesturnfest 2008 in Baunatal in der Hauptklasse Turnfestsiegerin wurde, zur Genüge. Nun möchte sie als Referendarin der Kasseler Engelsburgschule viele Jungen und Mädchen für ihre Sportart begeistern und zum Mitmachen bewegen.

Nach einer theoretischen Einweisung in einer Kasseler Schulsporthalle ging es dann in die Praxis ins Kasseler Tannenwäldchen. Die 16 teilnehmenden OL-Eleven der Kasseler Offenen Schule Waldau, Engelsburg-, Goethe- und Fridtjof-Nansen-Schule sowie dem Friedrichsgymnasium und der Grundschule Harleshausen wurden von ihren Eltern dorthin gebracht. „Die Eltern zeigen sich sehr engagiert und interessiert. Einige haben sogar schon selbst Orientierungsläufe absolviert und dabei Blut geleckt”, so Kirsten Müller. Und nachdem die Referendarin Orientierungslaufkarten und –Posten verteilt hatte, ging es los. Vorgegebene Laufposten mussten im Tannenwäldchen gefunden und eingerichtet werden. Andere wiederum hatten die Kontrollpunkte anzulaufen und die ausgehängten Posten wieder einzusammeln und zurück zu bringen. Die Sonne als Orientierungshilfe machte an diesem Tag die Benutzung eines Kompasses überflüssig. Schnell wurden von den Läufern die Posten entdeckt. „Ich hab´ Punkt 33 gefunden”, rief glücklich der neunjährige Alexander Speck (Grundschule Harleshausen) seiner Mitläuferin, der 12-jährigen Anna Wendt (Offene Schule Waldau) zu. Als Neueinsteiger freute er sich besonders darüber, dass er den Posten so schnell im Wald entdeckt hatte, seine Mitläuferin verfügt schon über größere Erfahrung.

Der OL ist eine Laufsportart mit den Komponenten Laufen und Orientieren. Dabei müssen Kontrollpunkte im Gelände in vorgegebener Reihenfolge angelaufen werden. Diese sind auf einer Karte eingezeichnet. Die Kontrollpunkte werden Posten genannt und sind durch rot-weiße prismenförmige Schirme gekennzeichnet. Eine am Posten befestigte Kontrollzange, mit der der OL eine mitgeführte Kontrollkarte abknipst, dient als Nachweis, dass der Läufer den Posten angelaufen hat. Als zusätzliches Hilfsmittel ist die Benutzung eines Kompasses erlaubt.

Am Ende der fast zweistündigen schulischen Ausbildung freute sich die Kirsten Müller ebenso wie die Eltern darüber, dass OL bei den Kindern so gut ankommt. „Die mitmachenden Kinder sind ausnahmslos gute Schüler. Ich möchte erreichen, dass auch übergewichtige Kinder am OL teilnehmen und so Freude an der Bewegung bekommen. Das sollte durch Mundpropaganda durchaus möglich sein”, so die Ausbilderin. Sie wünscht sich, dass sich möglichst viele ihrer zukünftigen Kolleginnen und Kollegen nach einer Fortbildung für Lehrer OL für diesen Sport engagieren. Das ist auch im Sinne des Kasseler Schulamtes. Als ins Programm integrierte Vereine werden der OSC Kassel und der FC Helsa für die außerschulische sportliche Betreuung und Förderung der angehenden Meisterläufer sorgen.

Volker Hennig

 

Kirsten Müller bei der Einweisung
Kirsten Müller bei der Einweisung

 

Alexander Speck und Anna Wendt am Posten 33
Alexander Speck und Anna Wendt am Posten 33