Inhaltsbereich: Ein Gurtband begeistert jung und alt

Trendsport Slacken in Volkmarsens Nordhessenhalle

Mit großem Bammel betrat Annika Dämmer in der Kinderturnstunde das Slackline-Band. Etwas verkrampft und noch sehr unsicher stützte sich die Fünfjährige auf die Hand der sie begleitenden und sichernden Übungsleiterin Martina Hohmann-Michels. Nach mehreren Schritten gewann Annika zunehmend an Sicherheit, das Gleiten auf dem Kunstfaserband wurde freier, die feste Hilfestellung wich immer mehr einer lockeren Sicherung. Dann gelangen der jungen Turnerin die ersten freien Schritte. Annika war darüber sehr glücklich, die jungen Mitturnerinnen und Turner ihrer Gruppe nickten anerkennend. Fast die gesamte Riege der Turnabteilung des TV Volkmarsen hatte in der Übungsstunde das dynamische Band mit bewegtem und schwingenden Balancieren überwunden. Hohmann-Michels bekannte, die neue Trendsportart Slackline eignet sich sehr gut als Zusatztraining und fördert das Gleichgewichtsgefühl in besonderem Maße. In ihrer Halle lässt sie vor jeder Übungsstunde eine Slackline aufbauen. Das Gurtband wird durch Anschluss an Reck- oder Ringeverankerung „bombenfest“ gesichert. Die Bandhöhe in der Halle hat Martina auf Kleinkastenhöhe festgelegt. Kleinkästen zwischen dem längeren Gurtband sind für die Kids beim Balancieren Ruheinseln. Draußen, auf dem Sportplatzrasen, balancieren die Jungturner auf einem Band in Hüfthöhe.

Die recht junge Sportart, Anfang der 80er Jahre in den USA von Kletterern als Entspannung und Freizeitbeschäftigung aus der Taufe gehoben, findet auch in Deutschland immer mehr Freunde und Anhänger. Nach dem Internationalen Deutschen Turnfest 2009 in Frankfurt am Main, bei dem Slacklining ein heißer Renner war, streben immer mehr Turnerinnen und Turner zu Grund- und Fortbildungslehrgängen in der Trendsportart um Einzelheiten, Techniken und Verfahrensweisen beim Aufbau des Slackline-Bandes zu erfahren. Auch im HTV gibt es dafür Lehrgänge. Der Name Slackline kommt wie die ganze Sportart aus den USA, „Slack“ heißt entspannt, locker und „line“ Linie, Schnur oder Band. Slackline bedeutet demnach: ein locker gespanntes Band. Im Gegensatz zum Balancieren auf einem Drahtseil, das straff gespannt ist und sich kaum bewegt, dehnt sich eine Slackline unter der Last des Slackliners. Durch die lockere Spannung bewegt sich das Band sehr dynamisch und verlangt vom Slackliner ein ständiges aktives Ausgleichen der Eigenbewegung. Die Anforderungen des Slackens an den Sportler sind ein Zusammenspiel von Balance, Konzentration und Koordination. Das Laufen auf dem 25 mm bis 50 mm breitem Band, zwischen zwei Festpunkten verankert, ist sehr facettenreich, und wird in vielen Variationen angeboten.

Die gebräuchlichste Art des Slackens ist das Trick- oder Lowlining, denn bei dieser Sportart braucht sich der Sportler kaum Gedanken über Aufbau und Absicherung der Line zu machen. Auf einem in Knie- oder Hüfthöhe gespanntem Band erfolgt die Bewegung. Als Untergrund ist weicher Boden wie Sand oder Gras zu empfehlen. Notfalls legt man Matten zur Vermeidung von Verletzungen bei ungewollten Abgängen oder Stürzen aus. Im Gegensatz zum Lowlining gilt die Highline als Königsdisziplin im Slackline-Sport. In luftiger Höhe zwischen Felsspitzen oder Türmen gespannt, ist diese Art den Profis vorbehalten. Fundiertes Wissen über Spann- und Sicherungstechniken sind hier zwingende Voraussetzung. Und wer das Abenteuer liebt, wählt Longlines oder Waterlines. Wie die Namen es schon ausdrücken, läuft der angehende Artist über ein Hunderte von Metern langes Band oder über eine größere Wasserfläche. Es gibt noch weitere Nuancen, die hier aber nicht näher beschrieben werden sollen.

Daniel Pfitzer, HTV-Lehrwart Slackline und Autor der Fibel „Slackline ... irgendwas zwischen Fliegen und Spazierengehen“ definiert die großen Anreize gerade für die Jüngsten wie folgt: „SLACKLINEN, ein Sport, der wiederspiegelt, was in der heutigen Gesellschaft immer wieder gefragt ist: Flexibilität, Lockerheit, Spannung, Kreativität, Anpassungsfähigkeit, Konzentration, Wille und natürlich Balance. Zur Erprobung all dessen bietet Slacklinen den idealen Raum, auch indem es Raum innovativ nutzt – im kreativen Sich-Bewegen zwischen Bäumen, Himmel und Erde. ..... Slacklinen wird nicht „verbannt“ in die Sporthallen oder Spielfelder, sondern geschieht meist in Parks zwischen spazierenden Menschen oder mitten in der Stadt und findet immer wieder faszinierte Zuschauer“.

Begeistert von dem beim HTV-Lehrgang „Slacklining“ fing Martina Hohmann-Michels in der Volkmarser Nordhessenhalle bei der Turnstunde mit den „Kleinen“ sofort mit Aufbau einer Slackline und Vermittlung des erlernten Wissens an. Das Sommerfest stand beim Volkmarser TV vor der Tür und Martina, auch stellvertretende Vorsitzende des Turngaues Nordhessen, wollte mit ihren Kids etwas Außergewöhnliches darbieten. Slackline sorgte bei den Zuschauern für begeisterte Zustimmung. Die Kids, als Künstler auf dem Band und kleine Artisten, das hatte es in der nunmehr 119 jährigen Geschichte der Turnabteilung noch nicht gegeben. Die etwas älteren Vereinsmitglieder wollen das Slacklinen auch erlernen und wünschen sich Mitmachangebote.

Martina gibt sich beim Slacklining in freier Natur sehr umweltbewusst. Hat sie doch auf dem Lehrgang gelernt, dass beim Slackline-Spannen von Baum zu Baum ein effektiver und gut sichtbarer Baumschutz (zwischen Baumrinde und Gurt werden sogenannte Baumschoner oder Teppichfliesen angebracht) Besitzer und Nutzer von Grünanlagen beruhigt. Slackline ist damit auch eine sehr naturverbundene und naturfreundliche Sportart, die sicherlich bald weitere Freunde finden wird. Nicht nur beim TV Volkmarsen, dem Vorreiter in Nordhessen.

Volker Hennig

 

Die fünfjährige Annika Dämmer wagt erste Schritte
Die fünfjährige Annika Dämmer wagt erste Schritte

 

Slackline-Gruppe mit Annika und Martina Hohmann-Michels
Slackline-Gruppe mit Annika und Martina Hohmann-Michels