Inhaltsbereich: Turngau begeht 200-Jahrfeier „Gründung des Turnens“ mit Festakt

LSB-Präsident Dr. Rolf Müller und HTV-Präsident Rolf-Dieter Beinhoff betonen die soziale Verantwortung des Turnens

Ein bunter Regenbogen spannte sich durch den gesamten Festakt und verlieh der Jubiläumsfeier sein ganz besonderes Gepräge. Über 160 Gäste waren der Einladung der Vorsitzenden Martina Hohmann-Michels zur Feierstunde des Turngaues Nordhessen gefolgt um mit Turngau und Vertretern des Hessischen Turnverbandes das Jubiläum „200 Jahre Turnen“ zu feiern. Erfreut zeigte sich Hohmann-Michels, dass neben LSB-Präsidenten Dr. Rolf Müller und HTV-Präsidenten Rolf Dieter Beinhoff, auch Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, die Bundestagsabgeordnete Ulrike Gottschalck und als Vertreter des hessischen Innen- und Sportministers der Ministerialdirigent Prof. Dr. Heinz Zielinski dem Festakt eine besondere Bedeutung gaben.

Mit einem furiosen Auftakt begann die Feierstunde. Die Show-Turngruppe der TSG Hofgeismar, von Uta Otter betreut, präsentierte „Rainbow Dreams“, die bereits 2011 beim Kasseler Ball des Sports und dem in der Rothenbachhalle vorgeführten „Feuerwerk der Turnkunst“ das Publikum begeistert hatte. In Regenbogentrikots bot das Rainbow-Dream-Team ein mitreißendes Spektakel aus Turnen, Sportgymnastik, Sportakrobatik sowie Gymnastik und Tanz. Der Regenbogen färbte ab und kam bei den Grußworten zum Vorschein. Unisono hatten alle Grußwortredner zum Ausdruck gebracht, dass ohne das Turnen der Sport nicht vorstellbar wäre und die Politiker aller Couleur diese Sportart mit allen verfügbaren Mitteln unterstützen wollen. Rolf-Dieter Beinhoff erklärte, dass der HTV keine zentrale Feier anlässlich des 200-jährigen Jubiläums gewählt habe. „Ein Festakt im Turngau mit unmittelbarem Kontakt zu den Turnvereinen ist doch viel sinnvoller“, betonte der Präsident und fügte hinzu, dass die Ehrenamtlichkeit und die soziale Verantwortung in den Turnvereinen beispielgebend wären.

Auch in der Festrede des Präsidenten des Landessportbundes Hessen, Dr. Rolf Müller, waren Nuancen des symbolischen Regenbogens zu erkennen. Etwas boshaft erklärte der Präsident zu Beginn, dass das Turnervolk mitunter recht eigenwillig wäre. Hätten sie doch bei Modernisierung der LSB-Satzung vor einigen Jahren den Vorschlag, die bisherige Formulierung „Turn- und Sportvereine“ in „Sportvereine“ umzuwandeln, vehement bekämpft. Heute gibt es immer noch den Terminus „Turn- und Sportvereine“ dank des Widerstandes aus dem Turnerlager.

Dr. Müller ging auf die Entwicklung des Turnertums ein, benannte mit Johann Christoph Gutsmuts einen wichtigen Pionier der „Leibes-Übungen“, der sich als Philanthrop den Ideen der Aufklärung verpflichtet fühlte. Anders hingegen sein Zeitgenosse Friedrich Ludwig Jahn, der „Vater des Turnens“, der das Turnen als eine Art „Volkserziehung betrachtete und dabei politische Ziele verfolgte. Seine Einrichtung des 1. Turnplatzes in der Hasenheide im Frühjahr 1811 gilt als Start der Deutschen Turnerbewegung. Der Präsident weiter: „Dieser Turnplatz im heutigen Berlin-Neukölln kann als ein „Sport-Weltkulturerbe“ bezeichnet werden. Es ist unbestreitbar, dass dieses Ereignis und seine Folgen eine der wichtigsten Wurzeln der heutigen Sportbewegung ist. Im Gegensatz zum heutigen Leistungssport war die Philosophie des Jahn´schen Turnens nicht auf Höchstleistungen ausgerichtet“. Die für den Staat und unsere Gesellschaft so wohltuende und soziale Auswirkungen des Ehrenamtes in den Sportvereinen unterstrich Müller besonders. Die Vereine sorgen bei vielen Mitbürgern für eine zweite Heimat, fördern die Integration ausländischer Mitbürger, engagieren sich bei der Bewältigung des demografischen Wandels und der Veränderung der Schullandschaft. Seine Rede beendete er mit der Feststellung: „Die soziale Verantwortung wird die Vereine nie verlassen, sie gehört dazu wie die Menschen, die sie übernehmen. Die ehrenamtlichen Helfer in unseren Vereinen tun dies gern. Aber ab und zu haben sie nichts gegen ein ehrlich gemeintes Dankeschön“!

Der abschließende musikalische Auftritt des Vellmarer Quartetts „Total Vokal“, das sich auf Musicals, Gospel und skandinavische Folklore spezialisiert hat, war in Augen der Festgäste gelungener Abschluss einer schönen Festveranstaltung.

Volker Hennig

 

Ehrengäste mit Ausrichtern: v. li.: stv. Gauvorsitzender Hans Werner Haas, HTV-Ehrenmitglied Hansgeorg Kling, Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Turngauvorsitzende Martina Hohmann-Michels, Ministerialdirigent Prof. Dr. Heinz Zielinski  und HTV-Präsident Rolf-Dieter Beinhoff, es fehlen MdB Ulrike Gottschalck, Oberbürgermeister Bertram Hilgen und LSB-Präsident Dr. Rolf Müller
Ehrengäste mit Ausrichtern: v. li.: stv. Gauvorsitzender Hans Werner Haas, HTV-Ehrenmitglied Hansgeorg Kling, Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Turngauvorsitzende Martina Hohmann-Michels, Ministerialdirigent Prof. Dr. Heinz Zielinski und HTV-Präsident Rolf-Dieter Beinhoff, es fehlen MdB Ulrike Gottschalck, Oberbürgermeister Bertram Hilgen und LSB-Präsident Dr. Rolf Müller

 

Das Rainbow-Dream-Team der TSG Hofgeismar
Das Rainbow-Dream-Team der TSG Hofgeismar

 

Festredner Dr. Rolf Müller
Festredner Dr. Rolf Müller