Inhaltsbereich: Riesen Begeisterung beim „Feuerwerk der Turnkunst“

3500 Zuschauer in Kasseler Rothenbachhalle bei HTV-Turngala

Es war schon ein Event der ganz besonderen Art. Unter dem Motto „Traum Typen“ hatte der Hessische Turnverband mit seinem Kooperationspartner, dem Niedersächsischen Turnbundes, die neueste Ausgabe des TUI-Feuerwerks der Turnkunst angepriesen und damit Tausende von Kasseler und nordhessischen Sportinteressierten neugierig gemacht. Die am 11. Januar in der Kasseler Rothenbachhalle, in der sonst die Handballer der TG Melsungen ihre Bundesliga-Heimspiele austragen, angesetzte Turn-Show war ein Riesenhit. Orkanartiger Beifall, der die Rahmenkonstruktion der Zuschauertribünen in schon fast beängstigendem Maße erzittern ließ, belohnte die erstklassigen Artisten, vielfach Europa- oder Weltmeister, aber auch die heimischen Turndarbietungen, für ihre perfekte Körperbeherrschung und die beeindruckende choreografische Faszination.

Die Kasseler sind in puncto turnerisch-sportliche Spitzendarbietungen verwöhnt. Über drei Wochen lang hatte der Zirkus „flicflac“ um die Weihnachtszeit und in der Neujahrswoche bis wenige Tage vor dem Turn-Feuerwerk, auf dem Kasseler Friedrichsplatz gastiert und viele Menschen mit seiner Supershow begeistert. Angetreten war das Unternehmen mit dem Versprechen, die besten Artisten der Welt auftreten zu lassen. Gegen eine solch übermächtige Konkurrenz sollte es eigentlich das „Feuerwerk der Turnkunst“ schwer haben, dachten zumindest Kritiker. Doch entpuppte sich das Feuerwerk der Turnkunst, nach Aussage vieler fachkundiger Zuschauer, noch als Steigerung, gegenüber der schon gigantischen Zirkusschau.

Pünktlich um 19 Uhr hatte HTV-Präsident Rolf Dieter Beinhoff, zusammen mit dem urkomischen Herrn Momsen, einer lebensgroßen Bauchrednerpuppe, die erwartungsvollen Zuschauer begrüßt. Als nordhessische Turngauvertreter verstanden die Showturngruppe der TSG Hofgeismar und die blutjungen Rhythmischen Sportgymnastinnen der TSG 1887 Kassel-Niederzwehren mit gelungenen, schon fast semiprofessionellen Auftritten die Traumschau gekonnt zu eröffnen. Dann überschlugen sich die Darbietungen in atemberaubender Vielfalt, Schönheit und Tempo. Die Akteure ließen den Eindruck entstehen, als gelten für sie die Gesetze der Schwerkraft nicht. Bodenturner wirbelten mit Tempo-Flickflacks, -salti und Schrauben. Die chinesische Beijing Acrobatic Troupe zeigte Weltklasse mit Tumbling-Darbietungen und verblüfften dabei mit Sprüngen durch kleine Reifen in fünf Metern Höhe. Auch ihre Nummer an den doppelten Vertikalmasten mit Minitrampolin ließ beim Publikum den Atem stocken. Weltklasse auch die russische Nationalmannschaft in der Sportakrobatik. Das Trio, im vergangenen Jahr Weltmeister, zeigte perfekte Körperbeherrschung, gepaart mit einer perfekten Choreografie und Figuren, die die Schwerkraft aufzuheben schienen.

Der Atem stockte den Zuschauern auch beim Auftritt von Yuriy Ovsyanikow, der mit seiner Handstandpräsentation „Flame“ einen schwerelosen Tanz über einem aktiven Vulkan faszinierte. Die aus dem Cirque du Soleil bekannte Finnin Pauiina Räsännen schloss den ersten Teil mit einer unglaublichen Darbietung am Schwungtrapez, hoch unter dem Holzgerüst der Rothenbachhalle, ab.

Im zweiten Teil zeigten Athleten und Artisten ihr Können an Barren, Stufenbarren und Reck. Da zeigte der 20-jährige Spanier David Pereira welche artistischen Vorführungen man einem stink normalen Einkaufswagen entlocken kann. Die Artistengruppe White Crow, für ihre sensationellen Darbietungen mit dem Silbernen Clown in Monte Carlo ausgezeichnet, zeigten am Russischen Barren atemberaubende Übungen.

Es würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, alle spektakulären Darbietungen einzeln aufzuführen und zu würdigen. Die bunte Mischung der Darbietungen gibt dem „Feuerwerk der Turnkunst“ sein besonderes Flair und macht es bei Turnern und Zuschauern so beliebt. Im nächsten Jahr gastiert die Turnschau am 17. Januar erneut in der Kasseler Rothenbachhalle bei der Jubiläumstournee „Das Beste aus 25 Jahren“.

Volker Hennig