Inhaltsbereich: Trauer um Ilse Wilhelm, die Neugestalterin des Kinderturnens nach beendetem Weltkrieg in Nordhessen

Kassel. Viele der älteren Turnerinnen und Turner der nordhessischen Turngauvereine kannten sie sehr gut und waren von ihrer turnerischen Ausstrahlung, mit Kindern umzugehen, fasziniert. Am 25. August verstarb die langjährige Kinderturnwartin im Verein, Turngau und Hessischem Turnverband Ilse Wilhelm im Alter von 91 Jahren in einem Altenpflegeheim in Stadtallendorf, wo die Familie ihrer Tochter wohnte.

Die in Kassel am 27. Juni 1924 geborene Ilse Kramer erlernte im Alter von sechs Jahren im Tura 1868 Kassel das Turnen und blieb ihr Leben lang beherzt dabei. Als Vorturnerin und Kinderturnwartin übernahm sie von 1936 bis 1945 verantwortliche Arbeit im Verein.

Nach Kriegsende und Neugründung des KSV Hessen, dem sie bis zu ihrem Umzug nach Stadtallendorf 2005 als Mitglied die Treue hielt, stellte sie als Vereinskinder- und Jugendwartin ab 1946 für das Kinderturnen in der noch stark zerstörten Heimatstadt entscheidende Weichen. Die durch den Bombenkrieg mitunter stark traumatisierten Kinder gewannen neue Perspektiven.

Ihre hohen Qualitäten im Kinderturnen und ihre neuen Ideen erkannten die Verantwortlichen im Turngau Nordhessen sehr schnell. Beim Gauturntag 1953 wurde Ilse Kramer, die zwei Jahre später nach Heirat mit dem im Verein erfolgreichen Handballer Richard Wilhelm den neuen Familiennamen übernahm, zur Gaukinderturnwartin gewählt. In dieser Funktion gestaltete sie das nordhes-sische Kinderturnen bis 1973 völlig neu.

Dieses Wirken beeindruckte auch die Delegierten beim Landesturntag des Hessischen Turnverbandes 1966. Ein-stimmig wurde Ilse Wilhelm zur Landeskinderturnwartin gekürt und blieb auf diesem Posten bis 1972.

Die Ehrennadeln in Silber und Gold ihres KSV Hessen erhielt sie 1959 und 1962, den Gauehrenbrief 1957, die DTB Ehrennadel 1962 und den DTB Ehrenbrief 1969.

Volker Hennig