Inhaltsbereich: Pressereportage

Turnerinnen vom Leistungszentrum Nordhessen schnuppern Schauspielluft

„Cut, das war´s!“, ruft Regisseur Jan erleichtert, aber energisch durch die lichtdurchflutete Turnhalle in Waltershausen in Thüringen. Mit schnellen Schritten läuft er zu den drei Schauspielerinnen und den Komparsen, die auf den Bodenmatten bzw. an den Turngeräten stehen, bedankt sich bei allen für den guten Dreh und spricht sich im Umdrehen bereits mit dem Produktionsleiter ab: „Wir müssen uns beeilen, schnell essen und dann geht´s weiter zum nächsten Drehort.“ Doch für die Turnerinnen ist jetzt Schluss. Die acht Mädels im Alter von neun bis 15 Jahren durften als Komparsen bei der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“ mitwirken. Gerade mal vier Wochen vorher hatte der Hessische Turnverband einen Anruf von der Produktionsfirma bekommen, ob die Turnerinnen vom Leistungszentrum Nordhessen nicht bei einer Folge der nunmehr 6. Staffel der Familienserie als Komparsen mitwirken wollten. Daraufhin organisierte Trainerin Carolin mit dem Regisseur, der Regieassistentin und einer schauspielenden Turnerin ein Vorabtreffen auf dem Sensenstein. Danach war man sich einig: Die Chemie stimmt und die Mädels sind als Komparsen engagiert.

Etwas nervös aber voll konzentriert steht Laurana vor dem Stufenbarren. Die riesige Kamera ist auf sie gerichtet. Ein junger Mann kommt mit einer Filmklappe. Auf der steht der Serienname, Folgennummer und vieles mehr. Er hält sie zum Kameramann und schlägt sie zu. Dann erfolgt das Signal von Regieassistentin Birgit: „Bitte und ab.“ Bei bitte läuft Mika auf der Bodenmatte an zum Überschlag vorwärts. Bei ab springt Laurana an den unteren Holm, fährt an zur Kippe, macht einen Rückschwung in den Handstand und setzt an zur freien Felge, sticht nach oben und fällt rückwärts aus der Handstandposition runter. Die schauspielende Trainerin ermahnt sie und fordert die 14-Jährige auf, die Übung zu wiederholen. Im Hintergrund springen nun abwechselnd und hintereinander weg Mika, Tabea, Mimi, Rica und Julia Überschläge, Spagatsprünge, Räder und Flick-Flacks. Leonie turnt am Schwebebalken Flick-Flack und Spagatsprünge und Lieke hängt am Reck in den Schlaufen und turnt Riesenfelgen. Laurana schafft ihre Übung zur Zufriedenheit ihrer schauspielenden Trainerin gut und wird gelobt. Die Szene verlagert sich nun auf die Tumblingbahn (im Hintergrund sind die Mädels vom Leistungszentrum immer noch am Turnen). Dort trainieren nun zwei rivalisierenden Turnerinnen (zwei Schauspielerinnen), die abwechselnd der schauspielenden Trainerin ihre Übung präsentieren. Die Szene endet mit einem Sturz einer Turnerin.

Nachdem der Regisseur immer wieder das Wort „Cut“ nach Ende der Szene sagt, wird es laut in der Turnhalle. Maskenbildner laufen zu den Schauspielerinnen und Komparsen, um die Frisur zu überprüfen und nochmal etwas Puder nachzulegen. Zeitgleich springt Jan von seinem Regiestuhl auf, wirft noch einen prüfenden Blick auf seinen Bildschirm und läuft zu den Akteuren. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die er und Brigitte in der nächsten Aufnahme anders haben möchten. So steht zum Beispiel eine Schauspielerin nicht genau auf der Bodenmarkierung, schaut in die falsche Richtung oder die Komparsen fangen zu spät an mit den Spagatsprüngen auf der Bodenmatte. Nach einigen Aufnahmen sitzt die Szene und der Kameramann wird samt der Kamera und seinem fahrbaren Unterteil an einen anderen Punkt in der Halle geschoben. Der Laie könnte nun denken: Super, nächste Szene. Doch weit gefehlt, die Szene wiederholt sich nun etliche Male von unterschiedlichen Perspektiven. Auch eine zweite Kamera filmt immer parallel andere Detailaufnahmen, bis alles im Kasten ist. Ab und zu muss das ganze Team aber einfach nichts tun. Dann strahlt die Sonne so stark in die Halle herein, dass alle warten müssen, bis sich wieder ein paar Wolken davor geschoben haben. Denn die Aufnahmen werden nur mit ähnlicher Sonneneinstrahlung gedreht, damit sie später auch beim Schnitt zusammen passen. Dann ist die erste Szene geschafft. Und auch Lauranas Hand ist geschafft, eine Blase vom Stufenbarrenturnen – nichts Besonderes, aber sie behindert die Turnerin. „Dann kann ich wohl morgen nicht so viel Barrenturnen“, schmunzelt Laurana, die am kommenden Tag zusammen mit Rica und Leonie ins Trainingslager nach Wetzlar fahren wird.

In der zweiten Szene treten die Turnerinnen vom Leistungszentrum im Hintergrund auf. Mimi und Julia turnen am Stufenbarren, Tabea und Rica am Schwebebalken, Lieke, Mika, Leonie und Laurana auf der Bodenfläche. Im Vordergrund turnt die eine Schauspielerin ihre Qualifikationskür auf der Tumblingbahn. Die schauspielende Trainerin ist aber nicht zufrieden mit ihrer Leistung. Danach ist die andere Schauspielerin an der Reihe. Ihr gelingt es wesentlich besser. Während ihrer Übung schlüpfen nun auch die Turnerinnen vom Leistungszentrum in eine neue Rolle. Sie applaudieren der Schauspielerin zu und versammeln sich hinter der Tumblingbahn zu einer Gruppe. Dort wird etwas getuschelt und gelästert, da sich nun die zuerst turnende Schauspielerin zu ihnen gesellt hat. Die Gruppe wird von der schauspielenden Trainerin ermahnt und die Szene endet damit, dass die erste Turnerin wütend die Halle verlässt.

Wie die erste Szene wird auch die zweite Szene aus vielen verschiedenen Perspektiven gedreht, so dass es für die Mädels langsam anstrengend wird. Die Konzentration lässt nach und der Hunger macht sich breit. Und auch die Crew wird langsam nervös. Da die beiden schauspielenden Turnerinnen noch minderjährig sind, dürfen sie an einem Drehtag nur höchsten fünf Stunden vor der Kamera stehen. Aber um kurz vor drei Uhr ist alles im Kasten. Die zwei Szenen werden später in der Folge rund zwei Minuten dauern, die ganze Sendung kommt auf ca. 50 Minuten und wird wahrscheinlich ab Herbst um 18:50 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

Schnell ziehen sich die Mädels um und holen sich am Food-Truck was Leckeres zu essen. Auf die Frage, wer nun später mal Schauspielerin werden möchte, halten sich die Mädels eher bedeckt. „Das dauert alles ganz schön lange“, sagt Tabea. Noch bevor die Mädels, ihre Trainerinnen und Eltern wieder in den Kleinbus einsteigen, kommt der Regisseur nochmal vorbei und sagt, dass sie das echt toll gemacht haben und sehr viel Disziplin gezeigt haben, obwohl sie noch so jung seien. Er wünscht ihnen eine schöne Heimfahrt und dann ist er schnell verschwunden zum zweiten Drehtermin an diesem Tag.

Mit dabei waren: Julia Kremer, Mika Küneweg (beide KSV Baunatal), Tabea Preuß, Mimi-Marie Eiser (beide GSV Eintracht Baunatal) und Laurana Schachtschneider, Rica Leiwarther, Leonie Kurz, Lieke Töppel (alle TSG Wellerode)

Katharina Griesel (HTV)

 

Laurana Schachtschneider am Stufenbarren während einer Drehszene [Foto: HTV]
Laurana Schachtschneider am Stufenbarren während einer Drehszene [Foto: HTV]

 

Die gesamte Gruppe mit den Schauspielerinnen (v.l.n.r.: Julia Kremer, Schauspielerin Turnerin, Schauspielerin Trainerin, Tabea Preuß, Rica Leinwather und vorn v.l.n.r. Mimi-Marie Eiser, Mika Küneweg, Laurana Schachtschneider, Leonie Kurz, Lieke Töppel und die Schauspielerin Turnerin) [Foto: HTV]
Die gesamte Gruppe mit den Schauspielerinnen (v.l.n.r.: Julia Kremer, Schauspielerin Turnerin, Schauspielerin Trainerin, Tabea Preuß, Rica Leinwather und vorn v.l.n.r. Mimi-Marie Eiser, Mika Küneweg, Laurana Schachtschneider, Leonie Kurz, Lieke Töppel und die Schauspielerin Turnerin) [Foto: HTV]